Freitag, Februar 23, 2018

Martenstein: "Das Gerede von Toleranz und Diversity zerbröselt wie Dreck" – News vom 23. Februar 2018

1. Im Berliner "Tagesspiegel" beschäftigt sich Harald Martenstein mit der "sozialen Hinrichtung" Woody Allens.



2. Die Berliner Humboldt-Universität ist das deutsche Zentrum sowohl des Gender-Lagers als auch der hiesigen Social Justice Warriors (siehe nur beispielhaft etwa hier, hier, hier, hier, hier und hier). Die Welt" bezeichnete diese Hochschule deshalb einmal auch als "Spinner-Auffangbecken". Jetzt zeigt sich: An der Uni gibt es noch ganz andere Probleme:

Spätestens am 15. November 2017 hätte der Berliner Senat merken müssen, dass in den studentischen Gremien der Humboldt-Universität eine Menge im Argen liegt. An diesem Tag veröffentlichte der "Tagesspiegel" einen Artikel, der zuvor in der von Studenten der Humboldt-Universität herausgegebenen Zeitschrift "Unaufgefordert" erschienen war. Darin deckten die Autoren auf, dass sich im Studentenparlament und Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Hochschule einige wenige Mitglieder Ämter gegenseitig zuschachern – und dafür Aufwandsentschädigungen bis zu 735 Euro monatlich kassieren. Jährlich werden an der Humboldt-Uni insgesamt 114.000 Euro an Aufwandsentschädigungen für Funktionäre der studentischen Selbstverwaltung ausgezahlt.

Derartige Praktiken herrschen schon lange beim Asta der Humboldt-Universität, der dort aus historischen Gründen "ReferentInnen-Rat" (RefRat) heißt. Recherchen zum Thema gestalteten sich schwierig, da oft schon unklar ist, wie die Funktionäre überhaupt heißen. In Sitzungsprotokollen steht zum Teil nur ein Vorname, weshalb kaum nachvollziehbar ist, wer welches Amt bekleidet. "Es scheint so, als ob viele Mitglieder gar nicht wollen, dass ihre Aktivitäten bekannt werden", heißt es in dem "Unaufgefordert"-Artikel.


Hier geht es weiter mit Jochen Zenthöfers Artikel im "Cicero".



3. Im Magazin "Quartz" wehrt sich Ephrat Livni gegen den neu entfachten Kult um die Frau als ewiges Opfer. Ein Auszug:

Guten Morgen, Amerika. All dein jüngstes Gerede über die Gleichheit der Geschlechter hat nur gezeigt, wie weit du von politischem Bewusstsein entfernt bist. Trotz bester Absichten setzt die aktuelle kulturelle Konversation über Feminismus den Sexismus fort.

Aus meiner Sicht bin ich bereits gleichberechtigt und wurde 1972 so geboren. Kein Grund, jetzt darüber zu streiten. Ich habe nicht darauf gewartet, dass jemand aufwacht oder mir Platz macht. Stattdessen gestaltete ich ein abenteuerliches, unabhängiges und produktives Dasein mit Mut und Schwung.

(...) Ich verliere die Geduld mit Diskussionen über das Geschlechterthema, die auf der Annahme basieren, dass ich an einer imaginären Startlinie kämpfe. Es gibt zweifellos Ungleichheiten, aber die Frauen haben schon seit einiger Zeit in der Arbeitswelt und darüber hinaus Fortschritte gemacht und Großes geleistet. Doch die überwältigende Botschaft lautet nun, dass wir unsere Macht nicht besitzen, wenn wir nicht über unser Leiden aufschreien, und dass starke Damen viel darüber reden, wie schlecht sie es haben.

(...) Ich bin mir nicht sicher, was die ganze momentane Aufregung soll, aber ich weiß, dass jene Geschichten, die viele zu ermutigen scheinen, mich stattdessen verzweifeln lassen. Nehmen Sie die kulturelle Umarmung von #MeToo - ein Slogan, der zuerst für missbrauchte Mädchen kreiert wurde und der davon ausgeht, dass sexuelle Gewalt ein positives verbindendes Thema für erwachsene Frauen ist. Die gegenwärtige Bewegung impliziert, dass wir Frauen unsere Jobs, Körper oder Kollegen nicht bewältigen konnten, bis Twitter und angriffslustige junge Damen endlich geboren wurden und aufwuchsen, um uns zu retten. Der kulturelle Durst nach Geschichten zu diesem Thema signalisiert den Frauen, dass unsere Demütigung faszinierend ist - vor allem, wenn es um reiche Männer und ihre Perversionen geht. Die gesamte Presse erregt nur eine Gesellschaft, die bereits von Sex, Gewalt, Geld und Macht fasziniert ist.

(...) Eine Frau zu sein, erschien mir noch nie wie eine berufliche Gefahr oder Grund zur Sorge. Aber jetzt kann ich den Tsunami der Ungleichheit nicht ignorieren; und es ist klar, dass ich beeindruckt sein soll von Kämpfen um die Rechte, die ich bereits habe und mit offenen Augen ausübe.

Diese Herangehensweise an Befreiung scheint rückständig, restriktiv und respektlos gegenüber Frauen zu sein, die gearbeitet haben, einige mit sehr erfolgreichen Karrieren. So wurde zum Beispiel das literarische Kraftpaket Margaret Atwood im Januar beschuldigt, eine "Schlechte Feministin" zu sein, weil sie sich 60 kanadischen Schriftstellern und Akademikern in einem Brief von 2016 anschloss, in dem diese den Entlassungsprozess des Schriftstellers und Universitätsprofessors Steven Galloway kritisierten, der von einem Studenten des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurde. Galloway behauptete, die Beziehung sei einvernehmlich gewesen. Aber Atwood verteidigte seine Aktionen nicht - sie kritisierte, wie die Universität mit der Sache umging. Dieses Jahr, im Januar, haben sich ein paar Leute von dieser Liste der Kritiker entfernt, und einige haben sich neu angemeldet. Atwood blieb standhaft und wurde von Frauen beschuldigt, einen Krieg gegen Frauen zu führen.

In ähnlicher Weise wurde die Schauspielerin Catherine Deneuve, die einen Brief mit 100 französischen Koryphäen unterschrieb, die jenen Feminismus ablehnten, der Frauen die Handlungsmacht abspricht, online verurteilt, bis sie sich entschuldigte. Bemerkenswert ist, dass Deneuve und Atwood mit 74 bzw. 78 Jahren nicht mehr die Jüngsten sind. Sie begannen, zu unserer Kultur beizutragen, als es weitaus weniger Frauen gab, die große Höhen erreichten, und das Geschlecht als Wirtschaftskraft bedeutend weniger mächtig war. Aber ihre gesammelte Weisheit, ihre Erfahrung, ihr professioneller und, ja, ihr finanzieller Erfolg reicht nicht aus, um junge Frauen irgendwie zu beeindrucken.

Anscheinend wird die schöne neue Damenwelt intolerant, antiintellektuell und altersfeindlich sein. Ich kann es kaum erwarten.

(...) Ich weise die Behauptung zurück, die sich in den Kampagnen für meine Gleichberechtigung verbirgt, dass ich dise Gleichberechtigung nicht längst habe, sondern dass ich im Leben verliere. Ich verliere nicht mehr als jeder andere, dessen Existenz mit jedem Atemzug vergeht. Und ich sehe nicht, wie Gespräche über Geschlechterthemen, die meine Position oder meine Macht nicht anerkennen, mein Anliegen voranbringen können, das darin besteht, mit allen Menschen respektvoll umzugehen – als menschliche Wesen und nicht als unterdrückte Splitter von Identitäten.




4. Wissenschaftspioniere wie Elon Musk streben derzeit an, die Raumfahrt wieder aufzunehmen und die ersten Menschen zum Mars zu bringen. Das ist nicht mehr als die Neuauflage des Patriarchats und Zeichen "toxischer Männlichkeit", findet Marcie Bianco. Genderama hat nie davor zurückgescheut, auch Auszüge aus feministiischen Artikeln zu zitieren und die Leser sich ihr eigenes Urteil bilden zu lassen:

Diese Männer, vor allem Musk, haben nicht nur stark in diejenigen investiert, die ihre Rakete zuerst ins All bringen können, sondern auch in die Kolonisierung des Mars. Der Wunsch, zu kolonisieren - unhinterfragten, unbestrittenen und automatischen Zugang zu etwas, zu jeder Art von Körper zu haben und ihn nach Belieben zu nutzen - ist patriarchalisch.

(...) Es ist die gleiche instinktive und kulturelle Kraft, die Männern beibringt, dass alles - und jede - in ihrem Blickfeld ihnen gehört. Du weißt schon, wie zu einer Frau zu gehen und sie an der Muschi zu packen.

Sie ist da, also schnapp sie dir einfach, weil du es kannst.

(...) Der Impuls zur Kolonisierung - zur Kolonisierung von Ländern, zur Kolonisierung von Völkern und, jetzt, da wir bald technologisch dazu in der Lage sein werden, zur Kolonisierung des Weltraums - hat seinen Ursprung in geschlechtsspezifischen Machtstrukturen. Anspruch auf Macht, Kontrolle, Herrschaft und Besitz. Das vermeintliche Recht, etwas zu benutzen und zu missbrauchen und dann wegzugehen, um etwas Neues zu erobern und zu kolonisieren.

(...) Am Freitag vor dem Start von SpaceX sagte mir der legendäre Astronaut Buzz Aldrin während des Mittagessens, dass wir unbedingt über die Erforschung des Weltraums im Sinne von "Migration" sprechen müssen, anstatt Wörter wie "kolonisieren" oder "siedeln" zu verwenden, wenn wir über den Weg zum Mars sprechen.

Durch eine feministische Linse offenbarte Aldrins bewusste Wortwahl eine wichtige Realität des Weltraumrennens: Diese Form des Imperialismus des 21. Jahrhunderts ist die direkte Folge davon, dass Männer den Planeten aufgeben, den sie fast vollständig zerstört haben.

Als ob die Geschichte nicht bewiesen hätte, dass Männer von Land zu Land ziehen, betrunken von Größenwahn und dem Privileg der Gleichgültigkeit.

Die Vergewaltigung und Plünderung der Erde und das dadurch ausgelöste Umwelt-Chaos sind integraler Bestandteil des Kolonisationsprozesses.

(...) Im Moment befindet sich auf dem Fahrersitz eines roten Teslas ein Roboter-Dummy, der durch den Weltraum fliegt, weg von den von Männern gemachten Müllfeuern, die die Erde verschlingen.

Houston, wir haben ein Problem.

Und es heißt Patriarchat.




5. Zuletzt: MeToo gibt es demnächst auch als Superhelden-Comic.

Donnerstag, Februar 22, 2018

FAZ: "Diese Definition von Sexualität wird allenfalls in islamischen Kalifaten geteilt"

1. Am 28. Februar entscheidet die Hamburger Bürgerschaft über einen zusätzlichen Feiertag für die Hansestadt. Eine fraktionsübergreifende Mehrheit plädiert für den 31. Oktober (Reformationstag).

Doch nun regt sich Widerstand gegen diesen von den Alphamännchen André Trepoll (CDU), Andreas Dressel (SPD) und Anjes Tjarks (Grüne) vorangetriebenen Antrag. Abgeordnete der Fraktionen SPD, Grüne und Linke reichten Dienstag einen Gegen-Antrag für den 8. März ein. "Die #metoo-Debatte zeigt: Feminismus ist notwendig", sagt Mareike Engels von den Grünen. Gerade jetzt, "wo rechte Gruppierungen Stimmung gegen Frauenrechte machen", sei es wichtiger denn je, bisherige Errungenschaften für Frauen zu feiern und weitere Verbesserungen anzumahnen. (...) Und Cansu Özdemir von den Linken hält den Frauentag in Zeiten, in denen rechte, antifeministische Kräfte Elemente der Gleichberechtigung bekämpften, für einen wichtigen Schritt.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Don Alphonso berichtet in der Frankfurter Allgemeinen:

Ich wurde das Opfer einer sexuellen Belästigung.

Und zwar ohne es zu wissen. Das ist schon ein paar Jahre her, aber trotzdem wende ich mich jetzt damit an die Öffentlichkeit. Bei der Täterin handelt es sich um eine junge Frau, die mein Blog hier las und nach einigen Mails fragte, ob wir uns vielleicht einmal treffen wollten, um miteinander auszugehen, sie wäre demnächst in Bayern. Der Zeitpunkt war extrem ungünstig, ich musste nach Italien, also sagte ich, wie man das so macht, leider Nein. Zwei Monate später kam sie erneut durch Bayern und fragte, ob ich diesmal vielleicht Lust hätte, sie zu treffen.

Ich hatte Zeit und sagte zu, wir trafen uns, und es war sehr angenehm. Ich lernte eine junge, schöne, kluge Frau kennen, die sich gewählt ausdrücken konnte und von einem reizenden Charme war.

Trotzdem hat sie mich sexuell belästigt, aber nicht etwa, weil sie mir dann unter dem Tisch ans Knie gefasst hätte, sondern weil ich beim ersten Versuch eines Treffens Nein gesagt habe, und sie es dann noch einmal versuchte. Jetzt werden Sie vielleicht sagen, ich hätte nicht mehr alle Nymphenburgtassen in der Rokokovitrine und es sei doch keine sexuelle Belästigung, noch mal nachzufragen. Sie täuschen sich. Das allein ist schon sexuelle Belästigung.

Zumindest an der Universität Harvard, wo man bei einer Untersuchung entdeckte, dass fast jede zweite Frau schon einmal während des Studiums Opfer einer Übergriffs wurde. Das ist für die Ivy League der US-Universität eine extrem hohe Zahl – und eben nur möglich, weil eine zweite Frage um ein gemeinsames Ausgehen nach einer ersten Absage als sexueller Übergriff gilt. Manche MeToo-Aktivistinnen behaupten, es ginge ihnen gar nicht um das normale Verhalten zwischen Männern und Frauen – aber sie argumentieren dann mit solchen "Untersuchungen", deren Definition von Sexualität in dieser Form allenfalls noch in islamischen Kalifaten geteilt wird. Es sind diese kleinen Nachrichten, die einen Eindruck vom grossen Kulturkampf geben, der da momentan ausgetragen wird.


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3. Apropos Anforderungen wie in islamischen Kalifaten: Die Schauspielerin Jennifer Lawrence wurde Opfer eines Shitstorms, weil sie sich erdreistete, bei der Vorstellung ihres neuen Films ein Versace-Kleid mit tiefem Ausschnitt und High Heels zu tragen. Damit stütze sie frauenfeindlichen Sexismus. Andere machen sich Gedanken, dass Lawrence zu ihrem Auftritt in diese Garderobe gezwungen wurde. Das Promi-Magazin "Vip" bezeichnet ein Foto von Lawrence in diesem Kleid sogar als "Foto, das die Welt erschüttert" und berichtet, dass inzwischen auch das Tragen von Yoga-Hosen als "unfeministisch" angeprangert wird.

Lawrence wies die Attacken empört als "nicht feministisch" zurück: "Denkt ihr ernsthaft, dass ich dieses super Outfit mit einem Schal und einer Jacke bedecken würde?" Genau das wird offenkundig von ihr erwartet.

Derweil erntet die Herzogin Kate Middleton den Unmut der MeToo-Fraktion, weil sie zu den brtischen Bafta-Awards in einem dunkelgrünen, statt in einem schwarzen Kleid erschienen war. Für die Vanity Fair indes ist schon Middletons schwarze Schärpe eine starke politische Aussage. Insgesamt gibt es allein in Deutschland bis hin zur Süddeutschen Zeitung gleich mehrere Dutzend Artikel über Kate Middletons Verstoß gegen die politisch korrekte Kleiderordnung.

Wer sich als prominente Frau all diesen Unmut ersparen möchte, erscheint in der Öffentlichkeit am besten brav in schwarz und so, dass möglichst keinerlei Haut zu sehen ist. Ein Tschador oder eine Burka sind vermutlich die sicherste Wahl.

Yay Feminismus!



4. Im liberalen Magazin Sp!ked widmet sich Stephanie Gutmann dem aktuellen Kulturkampf um die Sexualität. Ein Auszug:

Sogar Hardcore-Feministinnen mussten sich quälen, um den Vorfall um den Schauspieler Aziz Ansari als Angriff oder Belästigung zu bezeichnen. Also, was war es dann? Nun ... offensichtlich war es Etwas Wegen Dem Etwas Getan Werden Sollte. Aber was ist zu tun? Die Theoretiker machten sich an die Arbeit.

Sehr bald hatten sie ihr Urteil gefällt. Feministische Texte können extrem dicht sein - in der akademischen Art und Weise -, aber letzten Endes verdichtet es sich hierauf: "Wir sind durch die Frage, Einverständnis oder kein Einverständnis abgelenkt worden. Dieses Aufhängen an der Zustimmung zum Sex, die sich aus den Gesetzen ergibt, die natürlich von Männern geschrieben wurden, ist obsolet. Sex an sich ... äh, der Sex mit Männern ... ist das Problem." Rebecca Traister vom Magazin New Yorker schrieb: "Es ist an der Zeit, über den Sexismus zu sprechen, der unsere sexuellen Interaktionen - auch die einvernehmlichen - ungleich und für Frauen oft unbefriedigend macht."

Die feministische Website Jezebel hat einen Beitrag mit dem Titel "Es ist Zeit, die Wildnis des schlechten Sex zu kartographieren" herausgebracht. Auch hier lautet das Urteil, dass das Problem nicht in Vergewaltigung oder körperlichen Angriffen besteht, sondern in etwas, das die Autorin als "den Sex, den er sich nimmt" bezeichnet.

Was diese Feministinnen wirklich so anpisst, sind nicht gewaltsame Übergriffe, sondern was sie als schlechten Sex betrachten. Diese Art der Analyse ignoriert die Tatsache, dass die sexuellen Reaktionen der Frauen oft anders sind als die der Männer. Frauen zum Beispiel benötigen mehr Vorspiel, um erregt genug zu werden, um überhaupt Sex, geschweige denn einen Orgasmus zu haben. Dieses Vorspiel kann in Form von Worten, Gedanken und Phantasien geschehen.

Wenn Feministinnen glauben, dass Sex jetzt schlecht ist, warten Sie, bis das Vorspiel weg vom Fenster ist. Was ist Verführung, außer der Überwindung von Widerstand? Was ist Beharrlichkeit - jetzt definiert als Belästigung – anderes als die Kommunikation von Begehren: Begehren, das so stark ist, dass es mehr als einen Versuch befeuert? Frauen werden oft durch das Verlangen der Männer nach ihnen erregt.




5. Auch in Deutschland geht der Kulturkampf darum, ob Männer Frauen noch begehren oder bewundern dürfen, munter voran:

Am Brandenburger Tor in Berlin werden nach der Debatte um ein angeblich sexistisches Gedicht von Eugen Gomringer künftig zwei Gedichte des bolivianisch-schweizerischen Künstlers auf meterhohen Fassaden präsentiert.

Ab Donnerstag ist das in die Kritik geratene Gedicht "avenidas" auf einem über acht mal zwei Meter großen Banner am Max Liebermann Haus in Deutsch und Spanisch zu sehen, wie die Stiftung Brandenburger Tor am Mittwoch ankündigte.


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Themenwechsel.



6. Ein Fundstück aus dem Internet ist ein Artikel des britischen "Telegraph" von Oktober 2016. Er beschäftigt sich damit, dass weibliche Autofahrer aggressiver sind als Männer. Ein Auszug:

Der Forscher Patrick Fagan, Verhaltenspsychologe von der Goldsmiths University London, sagte: "Psychologisch gesehen haben Frauen bei emotionaler und verbaler Intelligenz und beim Persönlichkeitsmerkmal des Neurotizismus höhere Werte als Männer. Die Evolutionstheorie legt nahe, dass unsere frühen weiblichen Vorfahren ein akutes Gefahrengefühl für alles entwickeln mussten, was sie und ihre Jungen bedrohte, wenn ihre Höhle nicht verteidigt wurde, während Männer auf der Jagd waren. Dieser "Frühwarnsystem"-Instinkt ist auch heute noch aktuell, und weibliche Autofahrer neigen dazu, empfindlicher auf negative Reize zu reagieren, also werden sie schneller wütend und frustriert."


Moment Mal. Frauen haben höhere Werte bei Neurotizismus als Männer? Ist das nicht genau die Behauptung, wegen der James Damore bei Google als "sexistisch" und "diskriminierend" gefeuert wurde – und für das National Labor Board ein Grund, diesen Rauswurf als gerechtfertigt zu erklären? Wäre es dann nicht konsequent, auch den Fachbereich der Verhaltenspsychologie als "sexistisch" und "diskriminierend" abzuschaffen? Damit wäre dann auch mehr Raum für neue Gender-Lehrstühle geschaffen.



7. Einer meiner Leser hat in der ZDF-Reihe "Das kleine Fernsehspiel" einen Film über obdachlose Männer in München entdeckt. Insgesamt bleibt das Medieninteresse bei diesem Thema aber deutlich geringer als beispielsweise an Kate Middletons Kleid.



8. Ein anderer meiner Leser schreibt mir:

Jungs sind doch nicht dasselbe wie Mädchen und neben den primären Geschlechtsmerkmalen gibt es weitere Unterschiede, die keine Rollenklischees sind. Das ergab eine Metaanalyse, die 1788 wissenschaftliche Artikel und 16 Studien aus 85 Jahren umfasste. Ein Sekundärartikel dazu fand sich schon im Dezember in der Süddeutschen Zeitung.


Mein Leser hat mir den Abstract (die Zusammenfassung) der Studie netterweise auch gleich übersetzt:

Von klein auf entscheiden sich die meisten Kinder dafür, mit Spielzeug zu spielen, das nach ihrem eigenen Geschlecht typisiert ist. Um Variablen zu identifizieren, die die Präferenz von Spielzeug vorhersagen, haben wir eine Meta-Analyse von Beobachtungsstudien über die freie Auswahl von Spielzeug durch Jungen und Mädchen im Alter zwischen 1 und 8 Jahren durchgeführt. Aus einem anfänglichen Pool von 1788 Arbeiten erfüllten 16 Studien (787 Jungen und 813 Mädchen) unsere Einschlusskriterien. Wir fanden heraus, dass Jungen mehr mit männlichen Spielzeugen spielten als Mädchen (Cohen's d = 1.03, p <.0001) und Mädchen mit weiblichen Spielzeugen mehr als Jungen (Cohen's d = -0.91, p <.0001). Meta-Regression zeigte keinen signifikanten Effekt der Anwesenheit eines Erwachsenen, des Studienkontexts, der geographischen Lage der Studie, des Veröffentlichungsdatums, des Alters des Kindes oder der Einbeziehung von geschlechtsneutralen Spielzeugen. Eine weitere Analyse der Daten für Jungen und Mädchen ergab jedoch getrennt voneinander, dass ältere Jungen im Vergleich zu weiblichen Spielzeugen mehr mit männlichen Spielzeugen spielten als jüngere Jungen (β = .68, p <.0001). Zusätzlich wurde ein Effekt der Zeitspanne seit der Veröffentlichung der Studie festgestellt: Mädchen spielten in früheren Studien mehr mit weiblichen Spielzeugen als in späteren Studien (β = .70, p <.0001), während Jungen in früheren Studien mehr mit männlichen Spielzeugen spielten (β = .46, p <.05) als in neueren Studien. Jungen spielten auch mit männlichen Spielzeugen weniger, wenn sie zu Hause beobachtet wurden, als in einem Labor (β = -.46, p <.05). Die Ergebnisse werden im Hinblick auf mögliche Beiträge von Umwelteinflüssen und altersbedingten Veränderungen der Spielzeugpräferenzen von Jungen und Mädchen diskutiert.


Mein Leser zieht das Fazit:

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Auswahl von Spielzeug bestehen und scheinen das Produkt sowohl angeborener als auch sozialer Kräfte zu sein.

Trotz methodischer Unterschiede bei der Auswahl und Anzahl der angebotenen Spielzeuge, dem Testkontext und dem Alter des Kindes zeigt die Konsistenz bei der Suche nach geschlechtsspezifischen Unterschieden in den Präferenzen der Kinder für Spielzeug, das nach ihrem eigenen Geschlecht typisiert ist, die Stärke dieses Phänomens und die Wahrscheinlichkeit, dass es einen biologischen Ursprung hat.

Dies deutet darauf hin, dass stereotype soziale Effekte bei Jungen länger andauern können oder dass es eine stärkere biologische Veranlagung für bestimmte Spielstile bei Jungen gibt.

Mittwoch, Februar 21, 2018

1000 Biker kämpfen für Rechte von Vätern – News vom 21. Februar 2018

1. Die "Bild" berichtet über eine maskulistische Großdemo von Motorradahrern in Baden-Württemberg.



2. Am 3. März findet in Düsseldorf das siebte Kuckucksvätertreffen statt.



3. Auf der Berlinale sind inzwischen viele von der ständigen Überdosis MeToo genervt.



4. Im Magazin Quillette fordert Teresa Gimenez Barbat, spanische Abgeordnete im europäischen Parlament, eine stärker evidenzbasierte Genderpolitik:

Wir sind uns alle darin einig, dass wissenschaftliche Beweise für eine bessere Gesetzgebung erforderlich sind. Aber haben wir wirklich stichhaltige Beweise und vertrauenswürdige wissenschaftliche Quellen, vor allem in politisch sehr sensiblen Bereichen wie Gender? Ich fürchte, das ist nicht immer der Fall.

Eine schwedische Studie fand zum Beispiel heraus, dass "Gender Studies" die am besten finanzierte, aber auch die einseitigste und am wenigsten zielführende aller Disziplinen innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften sind!

Das ist relevant, weil die Wissenschaft über Geschlecht und Geschlechterunterschiede (...) nicht nur eine intellektuelle Neugierde darstellt, sondern etwas, das einen tiefen Einfluss auf die Gesetzgebung hat, die das Leben von Millionen von Menschen beeinflusst.

Ein Beispiel dafür ist der kürzlich im EU-Parlament diskutierte und verabschiedete Bericht über das "Istanbuler Übereinkommen" zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Dies ist eine wichtige und bahnbrechende Initiative im Rahmen des Völkerrechts: ein Dokument, das einen sehr bedeutenden Wandel in der gesellschaftlichen Einstellung zur Gewalt gegen Frauen widerspiegelt - etwas, das wir nicht länger hinnehmen wollen.

Ich bin jedoch besorgt darüber, dass diese Gesetzgebungsinitiativen ein Empathiedefizit gegenüber Männern und Jungen aufweisen, die ebenfalls Opfer von Gewalt sind, und dass sie die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse weitgehend ignorieren, selbst aus von der Union finanzierten Studien wie dem doVE-Projekt, die ähnliche Geschlechterquoten bei Tätern und Opfern von häuslicher Gewalt in Europa aufweisen. Diese Beweise wurden von unabhängigen Forschern wie Nicola Graham-Kevan eingehend geprüft, aber offenbar von den zuständigen politischen Gremien nicht ausreichend berücksichtigt. Tatsächlich kann ich in dem oben genannten Bericht keinen einzigen Hinweis auf männliche Opfer finden.

Ich bin überzeugt davon, dass die Rechterevolution der letzten Jahrzehnte, einschließlich des Kampfes für kulturelle Delegitimierung und rechtliche Verfolgung von Gewalt gegen Frauen durch die feministische Bewegung, ein klares Beispiel für moralischen Fortschritt darstellt. Gleichzeitig denke ich, dass eine neue "Drehung der Schraube" nötig ist, um alle wirklichen Opfer - Frauen, Männer und Kinder beiderlei Geschlechts - einzubeziehen, wie Steven Pinker in einem Kapitel seines Buches Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit vorschlägt. Ich stimme Rebecca Steinfeld und Brian D. Earp zu, dass wir ein neues moralisches und rechtliches Paradigma brauchen, um willkürliche Unterscheidungen nach dem Geschlecht in Frage zu stellen, insbesondere wenn es um sexuelle Gewalt geht.

Damit sich diese Vision verwirklichen kann, muss unser Einfühlungsvermögen erweitert werden - denken Sie einen Moment an das Problem des männlichen Selbstmordes -, aber wir müssen uns auch mehr auf Beweise und wissenschaftliche Gutachten stützen, und zwar im Rahmen einer unabhängigeren, ideologisch vielfältigeren Wissenschaft.




5. Ebenfalls im Magazin Quillette setzt sich Uri Harris kritisch mit der sogenannten Social-Justice-Bewegung auseinander, zu der auch der Feminismus gehört. Ein Auszug:

Die Methodik, die einen Großteil der Social-Justice-Perspektive untermauert, wird als kritische Theorie bezeichnet, die sich stark an der Ideologievorstellung des deutschen Philosophen Karl Marx orientiert. Weil die Bourgeoisie die Produktionsmittel in einer kapitalistischen Gesellschaft kontrolliert, argumentierte Marx, kontrolliert sie auch die Kultur. Folglich spiegeln die Gesetze, Überzeugungen und Moralvorstellungen der Gesellschaft ihre Interessen wider. Und vor allem sind sich die Arbeitnehmer nicht bewusst, dass dies der Fall ist. Mit anderen Worten, der Kapitalismus schafft eine Situation, in der die Interessen einer bestimmten Gruppe von Menschen, die die Gesellschaft kontrollieren, als notwendige Wahrheiten oder universelle Werte erscheinen, obwohl sie es eigentlich nicht sind.

Die Begründer der kritischen Theorie entwickelten diesen Ansatz weiter. Indem sie die verzerrenden Auswirkungen der Macht auf die Überzeugungen und Werte der Gesellschaft identifizierten, glaubten sie, ein genaueres Bild der Welt zu erhalten. Und wenn die Menschen die Dinge so sahen, wie sie wirklich waren, würden sie sich selbst befreien. Die Theorie, so schlugen sie vor, dient immer den Interessen bestimmter Menschen; die traditionelle Theorie, weil sie unkritisch gegenüber der Macht ist, dient automatisch den Mächtigen, während die kritische Theorie, weil sie diese Interessen entlarvt, den Machtlosen dient. Alle Theorie ist politisch, sagten sie, und indem man die kritische Theorie der traditionellen Theorie vorzieht, stellt man den Status quo in Frage, gemäß Marx' berühmter Aussage: "Die Philosophen haben die Welt bisher nur auf verschiedene Weise interpretiert; es geht darum, sie zu verändern.

Nach und nach erweiterten die Vertreter der kritischen Theorie ihre Aufmerksamkeit auf andere Formen der Unterdrückung - insbesondere auf Geschlecht, Rasse und sexuelle Orientierung -, aber die Methodik blieb die gleiche: die verborgenen und komplexen Wege zu identifizieren, in denen Macht und Unterdrückung die Gesellschaft durchdringen, und sie dann zu demontieren.

(...) In der Social-Justice-Sichtweise fehlt allerdings etwas: Sie berücksichtigt nicht die Macht und Unterdrückung, die sie selbst ausübt. In einer Gesellschaft, in der die Social-Justice-Aktivisten außerhalb der herrschenden Machtstruktur stehen - wie es bei der ursprünglichen Formulierung dieser Ideen der Fall war -, ist das nicht sehr wichtig, da ihre Macht vernachlässigbar ist. Das ist zunehmend nicht mehr der Fall, denn die Social-Justice-Akteure üben inzwischen einen großen Einfluss auf zentrale Bereiche der Gesellschaft aus und haben damit auch erhebliche Macht über die Gesellschaft als Ganzes erlangt. Es liegt auf der Hand, dass ein korrektes Modell gesellschaftlicher Macht die Social-Justice-Ideologie und ihre Befürworter einschließen muss.

Wenn das merkwürdig erscheint, dann deshalb, weil die Social-Justice-Aktivisten eine Darstellung von sich selbst geschaffen haben, als wären sie außerhalb des Stromes der Macht; alle anderen üben Macht aus oder werden von ihr unterdrückt, während sie sie nur beobachten, und jede Macht, die sie ausüben, ist selbstlos und nicht unterdrückend. Unterdrückung basiert auf der sozialen Klasse, hat man uns beigebracht zu denken, oder auf der Grundlage von Rasse, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Wir sehen daher nicht die Macht und Unterdrückung, die von Social-Justice-Verfechtern ausgeübt wird, weil sie auf nichts davon beruht, sondern auf Werten. Und es gibt nichts Selbstloses daran. Menschen üben Macht aus, um die Welt nach ihren Werten zu gestalten, während sie andere daran hindern, das Gleiche zu tun. Tatsächlich gibt es enge Ähnlichkeiten zwischen Unterdrückung auf der Grundlage von Werten und anderen Formen der Unterdrückung.

Nehmen wir zum Beispiel die Moral. Marx schlug vor, dass die Moral einer Gesellschaft den Interessen ihrer herrschenden Klasse dient, während sie vorgibt, universell zu sein. Die kapitalistischen Gesellschaften, so argumentierte er, haben eine Moral, die sich um klassische liberale Prinzipien wie die Heiligkeit des Privateigentums und die Freiheit von staatlichen Eingriffen dreht, kombiniert mit religiösen Tugenden wie der protestantischen Arbeitsethik, der Eigenständigkeit, der Akzeptanz des eigenen Schicksals und der Erwartung, im Jenseits belohnt zu werden. Die Arbeiter verinnerlichen diese Werte als ihre Moral und hindern sie so daran, den Status quo in Frage zu stellen und ihre Situation zu verbessern. Stattdessen arbeiten sie pflichtbewusst hart, ohne sich zu beschweren (...). Die Moral ist ein Instrument, mit dem die Bourgeoisie sicherstellt, dass die Arbeiter in ihrem Interesse handeln und nicht in ihrem eigenen Interesse.

Mir scheint, ein analoger Anspruch kann auf eine Social-justice-Gesellschaft erhoben werden. Dies zeigt sich am deutlichsten in Teilen der Gesellschaft, in denen die Social-Justice-Ideologie am stärksten ausgeprägt ist. In diesen Teilen der Gesellschaft werden Werte wie Gleichheit, Befreiung und Kosmopolitismus nicht nur als Werte behandelt - Organisationen der Gesellschaft, die verschiedene Menschen in unterschiedlichem Maße bevorzugen - sie werden als moralisch betrachtet. Folglich werden widersprüchliche Werte als unmoralisch betrachtet: Menschen, die Wert auf eine wettbewerbsfähigere Gesellschaft, eine kleinere Regierung, eine stärkere nationale Identität, eine härtere Kultur, traditionellere Familienstrukturen oder weniger Einwanderung legen, werden nicht nur als Menschen mit anderen Werten betrachtet, sondern als schlechte Menschen.

(...) Die Einbeziehung von Werten in unsere Analyse von Machtstrukturen macht deutlich, dass es nicht möglich ist, einfach nur Energie zu entfernen, denn es braucht Energie, um Energie zu entfernen. Folglich verschwindet die Energie nicht, sondern wird umgeleitet. Um das, was sie als Unterdrückung empfinden, zu beseitigen, müssen die Befürworter von Klassen-, Rassen- oder Geschlechtergerechtigkeit ihre eigene Machtstruktur aufbauen. Sie formen die Moral, die Kultur, die Sprache und das Rechtssystem um, um die Menschen dazu zu bringen, das zu tun, was diese sonst nicht tun würden. Und je mehr sie versuchen, diese anderen Formen der Unterdrückung zu beseitigen, desto stärker müssen sie die Werte der Menschen unterdrücken. Um die Freiheit in einer Dimension zu vergrößern, muss man sie in einer anderen Dimension entfernen.

Das ist nicht nur theoretische Spekulation. Einige der am explizitesten auf Social Justice ausgerichteten Gesellschaften, die es je gab, waren die kommunistischen Regime des 20. Jahrhunderts, und sie waren durch eine enorme Unterdrückung ihrer Bürger gekennzeichnet. Warum - wenn das ausdrückliche Ziel dieser Regime darin bestand, ihre Bürger von der Unterdrückung zu befreien - ist das Gegenteil eingetreten? Die Antwort ist sicherlich, dass sie denselben Fehler begangen haben, den die Social-justice-Aktivisten der Gegenwart machen: sich selbst nicht in die Machtanalyse einzubeziehen. Was besonders fragwürdig ist, wenn man der Diktator ist.

(...) Ein kürzlich erschienener Artikel des Studenten Coleman Hughes, der den Lehrstil seiner zwei verschiedenen Philosophiekurse beschreibt, zeigt dies sehr gut. Der eine von ihm belegte Kurs, ein Standard-Philosophiekurs, ist voll von Meta-Kritik. Alle Theorien werden kritisiert - oft von dem Professor, der sie präsentiert - und nichts ist heilig. Das ist der Ansatz der Aufklärung, der an westlichen Universitäten zur Normalität geworden ist. Der zweite von Hughes belegte Kurs, ein Social-Justice-Kurs, der intersektionellen Feminismus und Philosophie kombiniert, ist völlig anders; während der Professor sehr gesellschaftskritisch ist, werden die vorgestellten Theorien als heilig behandelt und Kritik an ihnen ist undenkbar. Hughes vergleicht es damit, in einem Tempel zu sein. Das ist weder von Sokrates noch von der Aufklärung inspiriert, es ist eine Rückkehr zu einem voraufklärerischen Ansatz für Wissen, bei dem Glauben heilig ist.


Und deshalb gelten Feminismuskritiker ("Antifeministen") bei allen, die es gelernt haben, sich den gegenwärtigen Herrschern zu unterwerfen, von vorneherein als bäh – statt als Menschen, mit deren Argumenten man sich näher beschäftigen sollte.



6. Die heutige Medienschau hat mit einem "Bild"-Artikel begonnen, zu dem letzten stark theoretischen Beitrag geführt und endet nun mit einem satirischen Artikel von Emmis Tilton: "Männlicher Feminist fragt sich, wie lange er Frauen noch zustimmen muss, bis er flachgelegt wird." Falls Sie Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen entdecken, dürfte das rein zufällig so sein.

In den letzten sechs Monaten hat Davey Thompson an jedem Treffen seiner lokalen feministischen Gruppe teilgenommen.

Mit leidenschaftlichen Reden hat er die Übel des männlichen Geschlechts angeprangert und sich als Ausnahme hingestellt.

Er hat Tränen zurückgehalten, als er verkündete, dass er ein leuchtendes Licht unter dem Abschaum ist und dass er es leid ist, dass die Männer nicht so sind wie er.

Aber allmählich nutzt es sich ab.

"Wie lange soll ich dieses männerfeindliche Zeug noch abspulen, bevor mir eines von diesen Weibern einen bläst?"

"Ich meine, erst letzte Woche habe ich ihnen allen gesagt, dass ich mich für mich und mein Geschlecht schäme."

"Sie alle sagen mir, dass ich ein Held bin und nicht wie die anderen Schweine, aber ich dachte immer, dass Helden bis zum Hals in Muschis steckten."

Davey wurde ohne gutes Aussehen und Persönlichkeit geboren, und er wusste von klein auf, dass die einzige Möglichkeit, Aufmerksamkeit von Frauen zu bekommen, darin bestand, der "nette Kerl" zu sein.

"Ich sitze da und stimme allem zu, was sie sagen. Ich erzähle ihnen sogar, wie lustig sie sind."

"Es ist komplett irre, aber ein Mann kann eine Menge ertragen, wenn es am Ende eine Chance auf Action gibt."

Die Times sprach auch mit Susie Wilder, einer Frau in Daveys feministischer Gruppe, und sie bestätigte, dass jeder wusste, was seine Motive waren, aber sie hielten ihn sich gerne, da er ihrer Botschaft Glaubwürdigkeit verleihe.

"Wenn wir Männer haben, die sagen, dass andere Männer böse sind, wie kann man dann darüber streiten?"

"Warum sollte er lügen?"

Dienstag, Februar 20, 2018

AfD hat SPD überholt – News vom 20. Februar 2018

1. Die AfD hat die SPD inzwischen bei der Sonntagsfrage überholt. Offenbar ist beim Wähler noch nicht angekommen, dass bei den Sozialdemokraten jetzt Frauen das Ruder übernehmen und damit sämtliche Probleme der Partei bald der Vergangenheit angehören werden.

Eine andere Interpretation dieser Zahlen wäre, dass Andrea Nahles den im Patriarchat herrschenden Sexismus nicht überwinden kann. Anders als mit Frauenfeindlichkeit dürfte ihre Wahrnehmung in der Bevölkerung kaum zu erklären sein:

Auch werden Nahles nur wenig positive Eigenschaften zugeordnet, ihr Eigenschaftsprofil fällt deutlich negativer aus als das von Martin Schulz kurz vor der Bundestagswahl: So halten sie nur 13 Prozent aller Bundesbürger für fähig, die Probleme des Landes in den Griff zu bekommen. Und eine angenehme Ausstrahlung sehen bei ihr auch nur 13 Prozent. Von Schulz dachten dies im September doppelt so viele Befragte.

32 Prozent der Deutschen glauben, dass Nahles "eine Sprache spricht, die die Menschen verstehen". Von Martin Schulz dachten das im vergangenen September 51 Prozent. 26 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Nahles "weiß, welche Sorgen und Nöte die Menschen haben" (Schulz: 45 Prozent). Führungsqualitäten sehen die Deutschen weder bei Nahles (24 Prozent) noch bei Schulz (27 Prozent). "Gute Ideen für die Zukunft Deutschlands" erwarten 20 Prozent der Deutschen von Nahles, Schulz kam immerhin auf 33 Prozent. Für vertrauenswürdig halten Nahles nur 18 Prozent der Deutschen (Schulz: 33 Prozent).

Und dass sie "die Probleme des Landes in den Griff" bekommt, trauen Nahles nur 13 Prozent zu – ein bitterer Wert für eine potenzielle Kanzlerkandidatin bei der nächsten Bundestagswahl. Bei Schulz waren es 21 Prozent. Ebenfalls nur 13 Prozent sind der Meinung, dass Nahles eine "angenehme Ausstrahlung" habe, Schulz kam mit 26 Prozent auf einen doppelt so hohen Wert.


Die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hatte ihre Niederlage nach dem Wahlkampf etliche Male durch Frauenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft erklärt. Ich rechne damit, dass uns bei Andrea Nahles oder Manuela Schwesig demnächst dasselbe blüht.



2. Es ist aber immer noch Luft nach unten, und die Genossinnen scheinen entschlossen, diesen Spielraum zu nutzen. So unterstützt Frauenministerin Katharina Barley (SPD) eine Frauenquote in der Filmbranche:

Auch Frauenministerin Katarina Barley (SPD) hält eine Begrüßungsrede, in der sie ihre Sympathie für die Forderungen der ProQuote-Bewegung bekundet. ProQuote fordert, die Hälfte der Fördergelder und Regieaufträge an Frauen zu vergeben und bei allen Filmgewerken und Filmrollen eine 50/50-Verteilung qua gesetzlicher Regelung zu erzielen. (...) Eindringlich gerät ihr Appell an die anwesenden Produzenten und Fernsehleute, ihre Verantwortung für emanzipierte Frauenbilder ernst zu nehmen. Ihr habe sich als Teenager eine Episode aus der Fernsehserie "Hart aber herzlich" eingebrannt, in der die Hauptdarsteller Robert Wagner und Stefanie Powers sich folgenden Dialog liefern. Sie: "Schatz, was liebst du eigentlich am meisten an mir?" Er: "Dass du noch nie Nein zu mir gesagt hast." Zwei Sätze, die 35 Jahre später im Tipi entgeistertes Gelächter ernten.


Na, dann hat die SPD ja doch noch eine zentrale Aufgabe für die kommende Legislaturperiode gefunden.

Siehe zu Barleys aktuellen Auftritten auch: Katarina Barley voll des Selbstlobes sowie Hauptsache Minister! - Katarina Barley macht alles.



3. Wie das SPD-Fanmagazin "Vorwärts" in seiner aktuellen Ausgabe (01-02/2018) berichtet, will die Partei im Willy-Brandt-Hausim Rahmen ihres "Erneuerungsprozesses" eine Stabstelle für die Belange von Frauen einrichten. Der Artikel mit der Überschrift "Mehr Frauen an die Macht: Die SPD muss weiblicher werden" steht nicht online. Er berichtet über Nancy Böhring, seit Dezember Bundesgeschäftsführerin der SPD, für die die Gleichstellung ein Kernanliegen darstelle, die aber von einer "Frauenpolizei" nicht sprechen wolle. Stattdessen gehe es darum, wie die Partei das Vertrauen der Frauen gewinnen könne: "Es gehe um den Blick der Frauen auf unsere Gesellschaft, um ihre Perspektive auf Probleme sowie um ihre Lösungsideen."



4. Die "taz" überrascht mit einem männerfreundlichen Artikel:

Nicht alle Männer können immer. Aber das Bild vom stets geilen, stets willigen Mann macht es Betroffenen schwer, darüber zu sprechen.


Hier berichten dann doch einige Männer darüber, welche Folgen die weibliche Erwartung, dass sie sexuell "funktionieren" sollten, für sie hat.



5. Es gibt schon wieder neue Vorwürfe gegen die MeToo-Vorkämpferin Cristina Garcia:

Kernick, 38, der 2014 fünf Monate lang für die Abgeordnete arbeitete, beschrieb POLITICO einen Abend mit starkem Alkoholkonsum, bei dem Garcia mit etwa einem halben Dutzend Menschen - darunter auch ihre Mitarbeiter und mindestens ein Freund - auf einem Hotelzimmerboden saß und sie zu einem Spiel aufforderte, bei dem sich die Teilnehmer gegenseitig küssten.

(...) In getrennt durchgeführten Interviews sagten die ehemaligen Mitarbeiter Garcias, dass sie ihr Büro verlassen hätten, zum Teil wegen des regelmäßigen Drucks, ihre Chefin zu alkoholgeschwängerten Abendveranstaltungen zu begleiten.

"Es war ein Machtungleichgewicht," sagte eine Mitarbeiterin in einem Interview letzte Woche. "Du sagst mir, dass wir in eine Happy Hour gehen werden," und das will ich nicht tun. Es war etwas, das zentral war - "Wir werden ausgehen" ... und ich dachte: "Ich will nicht mit dir abhängen, ich will nach Hause gehen".

Die Ex-Mitarbeiterin sagte, dass die Angestellten sich Sorgen um Vergeltungsmaßnahmen ihrer Chefin machten, wenn sie nicht mitmachten, und dass die Unterzeichnung des aktuellen Offenen Briefes "die Gelegenheit war, gehört zu werden" hinsichtlich eines ungesunden Arbeitsplatzes, der oft "vulgäre" Gespräche über Garcias persönliche sexuelle Erfahrungen beinhaltete.

"Es war eine Einbahnstraße. Normalerweise waren es nur wir, die zuhörten," sagte sie. "Ich fand es seltsam. Es wirkte als Prahlerei."

(...) Der Veteranen-Bürgerrechtsanwalt Dan Gilleon, der den Offenen Brief der ehemaligen Mitarbeiter an das Büro des Sprechers überreichte, sagte, sie seien besorgt, dass Garcia "wie eine Heldin der #MeToo-Bewegung" auftrat und ein öffentliches Profil annahm, "das nicht annähernd der Wahrheit entsprach".

Kernick sagte, dass er sich öffentlich zu diesen Anglegenheiten äußere, um Bedenken über eine Frau zu äußern, von der er sagt, dass sie zu einer Ikone der #MeToo-Bewegung geworden ist, aber auch, um zu beweisen, dass in Sacramento "mächtige Frauen genauso handeln können wie mächtige Männer".

Die Abgeordnete wurde von Kritik abgeschirmt, sagte Kernick, während sie ein Büro beaufsichtigte, in dem die Behandlung oft "bösartig" war und in dem der Alkoholkonsum die Feindseligkeit und die Misshandlung von Mitarbeitern anheizte. Als ehemaliger Marine glaubt er, daß er vom Büro entlassen wurde, weil er als älterer, erfahrener Mitarbeiter nicht so formbar war wie jüngere Mitarbeiter und weniger bereit, Garcias häufig "böswilliges" Verhalten in ihrem Büro hinzunehmen.

(...) Die gegen Garcia eingereichte Beschwerde besagt, dass Garcia "nicht kritisch gegenüber der Arbeit von [Kernick] war, bis er die Angemessenheit ihres Vorschlags in Frage stellte, nach einer Benefizveranstaltung in einer Whiskey-Bar auf dem Boden ihres Hotelzimmers Flaschendrehen zu spielen".

In der Beschwerde wird behauptet, dass "kurz nach dem Protest gegen diese sexuelle Belästigung" Garcia Kernick "mit einem Schreiben wegen Ungehorsamkeit diszipliniert hat". Zwei Tage später habe Garcia Kernick der Beschwerde zufolge gefeuert.


In den deutschen Medien kann ich außer dem kürzlich von mir erwähnten "Stern"-Online-Artikel weiterhin keinerlei Berichterstattung über diese Vorwürfe im Zusammenhang mit MeToo finden. Als weibliche Beschuldigte bleibt Garcia im deutschen "Qualitätsjournalismus" unsichtbar.



6. Das US-amerikanische National Labor Board hält die Kündigung des Entwicklers James Damore bei Google für gerechtfertigt. Der Konzern habe ihn nicht wegen geschützter Meinungsäußerungen, sondern wegen diskriminierenden Argumentationen gefeuert. Österreichs "Standard" berichtet darüber mit Formulierungen, die gut auch in einer Antifa-Postille stehen könnten:

Damores Rauswurf war Googles Reaktion auf ein sexistisches Memo, das argumentierte, Frauen seien aus biologischen Gründen schlechtere Programmierer. (...) Stattdessen will der Entwickler, der nach seiner Entlassung in rechtsextremen und frauenfeindlichen Kreisen verehrt wurde, nun mit einer Diskriminierungsklage gegen Google vorgehen.


(In der Kommentarspalte unter dem Artikel zeigen sich viele Leser angekotzt von einer derart tendenziösen Berichterstattung.)

Schon vor Monaten hatte ein Autor des linksliberalen Magazins The Atlantic seine Irritation darüber ausgedrückt, dass Damores Position von den Leitmedien grotesk verzerrt wiedergegeben wird:

Die Bilanz seines Memos besagt, dass er nicht gegen die Verfolgung einer größeren Geschlechtervielfalt bei Google ist; er sagt, dass es gegen die derzeitigen Mittel ist, mit denen Google dieses Ziel verfolgt, und gegen die Art und Weise, wie das Unternehmen Kompromisse zwischen dem Wohl der Vielfalt und anderen Gütern sieht.

(...) Der Autor lehnt es ausdrücklich ab, diskriminierende Mittel zu verwenden, um eine größere Geschlechterdiversität zu erreichen, und fügt hinzu, dass er konkrete Vorschläge für Veränderungen bei Google hat, die "die Vertretung von Frauen in der Technik erhöhen würden, ohne auf Diskriminierung zurückzugreifen". Dies ließe sich erreichen, indem man das Software-Engineering "menschenorientierter mit Paarprogrammierung und mehr Kollaboration" gestalte und Veränderungen initiiere, die "denjenigen, der kooperatives Verhalten an den Tag legt, gedeihen lassen". Sinnvoll seien auch mehr Möglichkeiten für die Angestellten, Teilzeit zu arbeiten.

Ob man diese Vorschläge als brillant ansieht, verwurzelt in schädlichen Geschlechterstereotypen oder irgendwo dazwischen, es handelt sich eindeutig und explizit um Vorschläge zur Erhöhung der Vielfalt in einer Weise, die der Autor als eine größere Chance betrachtet, tatsächlich zu funktionieren, als einige der Taktiken, die er kritisiert.


Die Auffassung des National Labor Board dürfte indes die Haltung in vielen Redaktionsstuben, bei diesem Thema der korrekten Ideologie statt der Recherche den Vorzug zu geben, noch weiter festigen. Im gegenwärtigen "Qualitätsjournalismus" wird Damore wohl weiter als eine Art frauenfeindlicher Nazi dargestellt werden.

Die Versuche, Damore von einem Auftritt an der Portland State University abzuhalten (bis hin zu einer versuchten Manipulation des Audiosystems) sind allerdings gescheitert.



7. Die Post. Einer meiner Leser mailt mir heute:

FreeBSD ist ein freies Betriebssystem, das man kostenlos herunterladen und installieren kann. Es wird von vielen Freiwilligen und einigen Firmen auf unterschiedliche Weise unterstützt. Die Leitung der Community hat sich jetzt einen neuen Code of Conduct gegeben. Heise berichtet über die neuen "Gender-Vorschriften bei FreeBSD" folgendes:

"Verboten sind (...) Debatten, deren Wortgefechte die "systematische Unterdrückung aufgrund der Gender-Identität und des Ausdrucks eben jener, der sexuellen Orientierung, Behinderung, geistigen Einschränkungen und von Persönlichkeitsstörungen, einer Neurodiversität, des Körpergewichts und -größe, des Alters, der Rasse oder Religion" verstärken. Ferner sind Kommentare über die Lebensführung untersagt, darunter solche, die die "Ernährung, Gesundheit, Erziehung, Drogen und Medikamente oder Beschäftigung" betreffen. Dasselbe gilt für absichtliches "Misgendering" und Verwenden "toter Namen", also dürfen Nutzer bei Transgender-Personen nicht den ursprünglichen Namen und das zugehörige Geschlecht verwenden. Auch – digitale – Zuneigungen wie eine *Umarmung* im Chat sind ohne vorige Zustimmung untersagt."

Wer weiss, vielleicht wird unerlaubtes digitales Umarmen demnächst ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Inzwischen halte ich so etwas tatsächlich für möglich.

Montag, Februar 19, 2018

Andrea Nahles (SPD): "Wenn's leicht wäre, könnte es ja ein Mann machen"

1. Vor einigen Tagen eröffnete Manuela Schwesig den Geschlechterkampf auch innerhalb der SPD mit der klaren Ansage "Wir sind klüger als die Männer!" Inzwischen bläst Andrea Nahles in dasselbe Horn.

Von den Leitmedien erhält Nahles dabei erwartungsgemäß Unterstützung. "Übrigens, sie ist eine Frau" titelt die "Zeit", "An alle Machos da draußen: Diese Frau ist das Herz der SPD" schlagzeilt der "Stern".

Das sprachlich korrekte Gendern beherrscht Nahles allerdings noch nicht perfekt: "Merkels Götterinnendämmerung hat begonnen" erklärte sie vergangene Woche. Ob man damit die kommende Götterin Deutschlands wird?



2. "Ist der Feminismus links oder rechts?" fragt Lucas Schoppe in einem durchgehend lesenswerten Beitrag.



3. Die Neue Zürcher Zeitung hat die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff gefragt, ob die Political Correctness zum Problem werde:

Dass man ernsthaft darüber diskutiert, ob ein Bild von Balthus aus dem Metropolitan Museum entfernt werden soll, weil es ein junges Mädchen voyeuristisch darstellt; dass man in den USA Studenten vor Literatur warnt, die Sex- oder Gewaltdarstellungen enthalten; dass man ein Gedicht von Eugen Gomringer übermalt, weil das enthusiastische Lob von Blumen, Alleen und Frauen bei ein paar Studentinnen die Sexismus-Falle zuschnappen lässt: Das ist für Sibylle Lewitscharoff unerträglich.

(...) Solche Angriffe gingen immer von den spiessigsten Kleingeistern aus: "Von Leuten, die intellektuell nix taugen." Von Menschen, die weder verstehen wollten noch könnten, dass Kunst mit Lust zu tun habe und sich halt nicht immer in den Bahnen des Braven, Wohlanständigen bewege. "Die wollen die Enge, die sie in ihren eigenen Köpfen haben, auch allen anderen überstülpen – denen, die mehr denken können, die weiter ausgreifen, die mehr erleben, vielleicht auch sexuell." Der verbissene Kampf für eine völlig übertriebene Political Correctness sei im Grunde Ausdruck von Hass, sagt sie. "Das ist doch blanker Hass auf Menschen, die es wagen, mehr auszuprobieren in ihrem Leben."

Samstag, Februar 17, 2018

Neue Vorwürfe sexueller Belästigung gegen MeToo-Vorkämpferin – News vom 17. Februar 2018

1. Es gibt eine Person, die in der MeToo-Debatte angeprangert wird, über die die deutschen Medien (mit Ausnahme eines Online-Artikels des "Stern") NICHT berichten: die kalifornische Politikerin und MeToo-Aktivistin Cristina Garcia. Gegen sie haben jetzt vier weitere Mitarbeiter Vorwürfe der sexuellen Belästigung eingereicht:

Die Beschwerdeführer behaupten, dass Garcia regelmäßig vor dem Personal über ihre sexuelle Aktivitäten, auch mit anderen Mitarbeitern, gesprochen habe. Sie behaupten auch, dass Garcia Alkohol getrunken habe, während sie offizielle Versammlungsgeschäfte durchführte, und dass das Personal unter Druck gesetzt wurde, sie beim Trinken im Büro oder in Bars zu begleiten.

Garcia erklärte in einem Facebook-Post, dass sie jedes der Themen einzeln ansprechen werde, sobald eine Untersuchung abgeschlossen sei. Sie behauptete, dass die Ansprüche nicht mit der Atmosphäre übereinstimmen, für die sie gearbeitet habe: "Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Mitarbeiter stets fair und respektvoll behandelt habe".

(...) Zusätzlich zu der sexuellen Belästigung wird in dem Brief behauptet, Garcia habe ein feindseliges Arbeitsumfeld geschaffen, indem sie gegenüber ihren Mitarbeitern "rachsüchtig" sei, und sie habe ihre Autorität missbraucht, indem sie ihre Mitarbeiter aufforderte, private Dienstleistungen wie die Pflege ihrer Hunde zu übernehmen. Der Brief behauptet auch, dass Garcia die Mitarbeiter gebeten habe, während deren Arbeitszeit für den Staat Kalifornien ihr und anderen Gesetzgebern bei Kampagnenaktivitäten zu helfen.




2. Das Blog Red Pill Berlin hat die rhetorischen Mätzchen analysiert, mit denen Carolin Wiedemann in ihrem FAZ-Artikel "All die schwachen weißen Männer" über Professor Jordan Peterson berichtet.



3. Das Blog von Martin Balluch hat als Schwerpunktthema eigentlich Tierrechte. In einem aktuellen Blogbeitrag beschäftigt er sich allerdings mit der Geschlechterdebatte: "Toxic Masculinity", "Supertoxic Black Masculinity" – oder eher Toxic Feminism.

Mit diesem Beitrag stößt er in der Kommentarspalte darunter und auf Facebook nicht gerade auf ungeteilte Begeisterung. Erwiderungen, die das Stimmungsbild der Kritik gut wiedergeben, lauten:

Gerade wenn es um Feminismus geht fühlen sich Männer immer wieder sehr leicht gekränkt und angegriffen. Und das obwohl es (so gut wie immer) keinen Grund dafür gibt. Man muss sich einfach nur mal mehr mit der Materie beschäftigen.


Bisher habe ich deine Arbeit unterstützt, Martin Balluch. Nun trennen sich unsere Wege. Du vergaloppierst dich mit diesen Text ganz gewaltig. Unfassbar.


Voll eine in die Eier gekriegt! Bleib lieber bei den Vichern.




4. Das ZDF findet nach einer internen Überprüfung keine Hinweise auf sexuelle Übergriffe Dieter Wedels.



5. Der WDR tut etwas ganz Ungewöhnliches: Er fragt Was sagen eigentlich Männer zu MeToo?



6. An der renommierten University of California, Los Angeles, studieren geschätzte 42.000 Studenten. Letzten Dienstag wurde dort eine Veranstaltung zum Thema "toxische Männlichkeit" angeboten.

Es erschienen zehn Leute.

Das Klima an US-amerikanischen Hochschulen wird von einer kleinen Minderheit geprägt.



7. Die kanadische National Post berichtet:

Die aktuelle Ausgabe des Maclean-Magazins beklagt auf clevere Weise das Lohngefälle zwischen Mann und Frau, indem sie am Kiosk für Männer und Frauen unterschiedliche Preise verlangt. "Gleiche Bezahlung: Ein Magazin nach dem anderen", heißt es auf dem Titelblatt. Und es geht weiter: "Diesen Monat zahlen Frauen $6,99" für diese Ausgabe, aber "Männer zahlen $8,81". Der Unterschied imitiert die "schockierenden 26 Prozent Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen, die es in Kanada immer noch gibt".

Die Preise sind mit einem Sternchen versehen, das unten auf der Seite zum Kleingedruckten führt: "In der Praxis können Kioskkunden natürlich jede gewünschte Coverversion kaufen. Der zusätzliche Erlös aus dem Verkauf des Männerdeckels wird an einen wohltätigen Zweck gespendet."

Die Absicht ist es, die demütigende Ungerechtigkeit verschiedener Preise für verschiedene Geschlechter für genau dasselbe Produkt zu zeigen. Unbeabsichtigterweise zeigt das Gimmick, warum die Vorstellung, dass eine solche Diskriminierung wettbewerbsfähige Märkte durchdringt, ein Schwindel ist. In Wirklichkeit argumentiert das Magazin so, wie es die meisten Wirtschaftswissenschaftler auch tun.

Denken Sie mal drüber nach. Das selbe Magazin - genau das selbe Magazin, es gibt keinen Unterschied im Inhalt - hat zwei Titelseiten, von denen eine Frauen $6,99, die andere Männer $8,81 kostet. Und die Menschen können frei zwischen ihnen wählen. Wird jemand die Version für $8.81 kaufen? Wenn Sie ein feministischer männlicher Politiker sind, zum Beispiel unser Premierminister, und die Kameras laufen, dann werden Sie es vielleicht tun, indem Sie scherzhaft Ihren Beitrag zur Wohltätigkeit betonen. Aber wenn Sie ein normaler Mensch sind, tun Sie das nicht. Sie kaufen für $6,99. So funktionieren Märkte. Sie können nicht genau dasselbe Produkt zu zwei verschiedenen Preisen an genau demselben Ort und zur gleichen Zeit verkaufen.

Nehmen wir also an, Sie sind auf dem Markt, nicht für Zeitschriften, sondern für Arbeit, und Sie haben die Chance, Frauenarbeit für 20 Dollar pro Stunde oder Männerarbeit für 25,20 Dollar pro Stunde zu kaufen, und die Arbeit, die jeder leistet, ist genau die gleiche. Was machen Sie? Angenommen, aus irgendeinem Grund denken Sie, dass Männer eher einen Job verdienen. Also beschäftigen Sie Männer für $25,20. Sie werden von Ihren Konkurrenten weggeputzt werden, die Frauen für $20 pro Stunde einstellen und genau das produzieren, was Sie produzieren, außer sie können es billiger verkaufen, da ihre Arbeitskosten sie weniger kosten. Es ist "das Gesetz des einen Preises": Identische Waren können nicht zu unterschiedlichen Preisen verkauft werden.

Freitag, Februar 16, 2018

Manuela Schwesig (SPD): "Wir sind klüger als die Männer!" – News vom 16. Februar 2018

1. Die SVZ hat die SPD-Politikerin Manuela Schwesig interviewt. Ein Auszug:

SVZ: Sie, Andrea Nahles, Malu Dreyer, Katarina Barley, Simone Lange: Jede Menge starke Frauen in der SPD drängen in den Vordergrund. Bahnt sich ein Frauenpower-Machtkampf an?

Schwesig: Das ist Quatsch. Wir sind klüger als die Männer. Wir werden nicht gegeneinander, sondern miteinander für die SPD arbeiten. Die alten Machtkämpfe der Männer haben der Partei massiv geschadet. Wir Frauen werden es anders machen!


Gestern sind die Spezialdemokraten auf 16 Prozent abgesackt: ein neuer Rekord.



2. In der Schweiz sollen Täter und Täterinnen künftig sogar dann wegen Vergewaltigung verurteilt werden können, wenn das Opfer männlich ist. Der Bundesrat sieht allerdings keinen dringenden Handlungsbedarf.



3. Das Wall Street Journal veröffentlichte gestern den Leserbrief eines Studenten der Politikwissenschaft, in dem es heißt:

Ich gehöre zu den Freidenkern der Portland State University, einer skeptischen Studentengruppe. Am Samstag veranstalten wir ein Panel zum Thema Vielfalt mit James Damore, dem Google-Mitarbeiter, der im vergangenen Juli entlassen wurde, weil er ein Memo verfasst hat, in dem er heterodoxe Ansichten über Geschlechterdisparitäten in der Belegschaft des Unternehmens zum Ausdruck bringt.

Wir erwarteten Kontroversen. Aber wir sind auch in Gefahr. Die linke Zeitung Willamette Week veröffentlichte einen Artikel mit einer falschen und aufrührerischen Überschrift: "Tech Bro Fired from Google for Saying Women Are Biological Unfit to Be Engineers Will Speak at PSU Next Month". Die Untertitelzeile schrieb Mr. Damore fälschlich die Ansicht zu, dass "Frauen nicht rechnen können".

Campus-Aktivisten nannten uns Frauenfeinde, weiße Rassisten, Neonazis. Eine Person, die behauptete, für die audiovisuellen Dienste des Campus zu arbeiten, tweetete, er könne durch einen Hintereingang in unsere Veranstaltung einbrechen und "buchstäblich das ganze Gebäude abschalten". Es wurde mit Gewalt gedroht. Ein Facebook-Nutzer - es ist nicht klar, ob er zur Universität gehört - schlug vor, dass er Mr. Damore auf der Bühne mit "aktiven Granaten" bewerfen würde. Die Campus-Polizei nahm diese Drohungen so ernst, dass sie trotz des überwältigenden Interesses unsere Forderung nach einem größeren Veranstaltungsort ablehnte.

PDX Women in Tech, eine lokale Aktivistengruppe, proklamierte sich selbst als "entmutigt und entsetzt", dass wir uns "in einen Diskurs ohne gegensätzliche Sichtweise einmischen". Wenn sie uns gefragt hätten, hätten sie gewusst, dass wir jede Professorin aus der Abteilung für Frauenstudien eingeladen und abgewiesen wurden. In der Zwischenzeit haben die Verwaltung und die Studentenregierung drei Gegenveranstaltungen organisiert, um "die Vorstellung, dass Frauen keine Ideen generieren" in Frage zu stellen - etwas, was Mr. Damore nie behauptet hat. Die Gegner versuchten auch, unserer Veranstaltung ein Publikum zu versagen, indem sie die Freikarten horteten und nicht nutzten.

(...) Die wahren Gläubigen der Intersektionalität neigen dazu, weit weniger tolerant zu sein als die traditionellen religiösen Gläubigen mit ihrer ausgefeilten Apologetik. Für Intersektionalisten ist Skepsis eine existenzielle Bedrohung. Ihre Überzeugungen in Frage zu stellen, so wurde mir gesagt, stellt das "Debattieren über das Existenzrecht von jemandem" dar.


In einem aktuellen Interview erklärt Steve Pinker, Professor für Psychologie an der Universität Harvard und Bestsellerautor, warum Intersektionalismus einen Feind der Werte der Aufklärung darstellt.



4. Der führende Krebshilfe-Verband in Großbritannien droht, das staatliche Gesundheitssystem zu verklagen, wenn Jungen der Schutz vor HPV weiter verweigert wird.



5. Im britischen Politikmagazin "Spectator" widmet sich dessen Mitherausgeber Rod Liddle zunächst dem Thema Frauenwahlrecht:

Es ist 100 Jahre her, seit Frauen das Wahlrecht haben, und ich habe an den Feiern teilgenommen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln – also attraktiven Frauen leicht das Knie getätschelt oder sanft ihre herrlichen Schultern massiert und zu ihnen fröhlich gesagt "Gut gemacht, Babes!" Einige reagieren mit Wut und Irritation auf meine herzlichen Glückwünsche, vor allem, wenn ich um ihre Telefonnummern bitte, damit wir das Wahlrecht weiter diskutieren können - was, wie ich vermute, ein Hinweis darauf ist, dass sie es eigentlich gar nicht haben wollten. Sicherlich übt es einen schrecklichen Druck auf sie aus: Sie sind gezwungen, alle fünf Jahre eine klare Entscheidung zu treffen.

Die Statistiken deuten darauf hin, dass viele Frauen diese Bürde zutiefst verabscheuen, wobei die Wahrscheinlichkeit bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern ist, bis zur letzten Minute beim "weiß nicht" zu bleiben: Man kann sie alle an Wahltagen sehen, wie sie sich in einer kleinen Wolke von Verwirrung auf den Weg zur Wahlkabine machen. Sie gehen häufiger als Männer wählen und wissen weniger häufig, worüber sie abstimmen. Ich denke also, dass dies in gewisser Weise einen Fortschritt darstellt. Es ist auch 100 Jahre her, dass die Arbeiterklasse das Wahlrecht erhalten hat, aber niemanden scheint das besonders zu interessieren.


Im weiteren Verlauf seines Artikels kommt Liddle auf seine Erfahrungen als leitender Redakteur bei der BBC zu sprechen:

In meiner Zeit haben die männlichen Produzenten wesentlich mehr verdient als die weiblichen Produzenten. Warum war das so? Institutionalisierter Sexismus und Ungerechtigkeit von meiner Seite, dem Redakteur? Nein. Die Mitarbeiter von "Today" werden in drei verschiedenen Schichten eingesetzt. Eine winzige Minderheit arbeitet in einer angnehmen Neun-bis-Fünf-Schicht am Planungstisch. Aber der Rest der Produzenten macht entweder einen 11-Stunden-Tag oder eine 13-Stunden-Nacht. Diese Nachtschichten sind ein Killer, buchstäblich und metaphorisch. Die Arbeit durch die Nacht ist ernsthaft gesundheitsschädlich und kann für das Familienleben katastrophal sein - und so erscheint mir das zusätzliche Geld, das den Menschen gezahlt wird, die diese schrecklichen Schichten auf sich genommen haben, völlig gerecht.

Nun, beide Geschlechter sollten die Nachtschicht übernehmen - schließlich kann man eine ordentliche Ausgabe von "Today" nicht ohne ein Team, das über Nacht arbeitet, herausbringen. Aber während meiner Zeit präsentierten immer mehr Frauen (die BBC) überzeugende Gründe, warum sie nicht über Nacht arbeiten konnten - meistens, aber keineswegs ausschließlich, wegen der Kinderbetreuung. Und so wurden sie freigestellt. Eine nach dem anderen kam zu mir und sagte: "Ich bin schwanger, kann keine Nächte machen, tut mir leid." Oder: "Ich habe Kinder - ich kann keine Nächte machen". Oder auch einfach: "Der Arzt sagt, ich kann keine Nächte machen".

Das "Today"-Übergabetreffen zwischen den beiden Teams fand um acht Uhr abends statt. Und ich konnte mit ansehen, wie das überwiegend weibliche Tagesteam die bleichen, rotäugigen, zombifizierten jungen Männer begrüßte, die zu ihrer dritten von drei aufeinander folgenden Nachtschichten auftauchten. Ich möchte hinzufügen, dass einige Frauen gerne auch nachts arbeiteten, aber weitaus weniger. Deshalb haben Männer im Jahr 2003 mehr Geld verdient als Frauen: Sie haben den gleichen Job gemacht, aber zu einer anderen, viel weniger angenehmen Zeit.

(...) Dies ist nur eines von einer Million Beispiele dafür, warum das geschlechtsspezifische Lohngefälle ein Mythos, eine Erfindung ist. Es gibt ein Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen, aber kein Verdienstgefälle. Machen Sie die gleiche Arbeit wie Männer und Sie erhalten den gleichen Betrag an Geld.

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